Autofolien: Zulassung, Lichtdurchlässigkeit & ABG – was ist erlaubt?
Bei Autofolien entscheiden nicht nur Optik und Tönungsgrad, sondern vor allem Zulassung, Scheibenbereich und Lichtdurchlässigkeit (VLT/LVT). Dieser Technik-Artikel erklärt, wie Sie Folien rechtssicher einordnen, welche Scheiben typischerweise kritisch sind und wie Lichtwerte praktisch bewertet werden – neutral, kompakt und ohne Produktfokus.
🧪 Grundbegriffe: ABG, VLT/LVT & Scheibenbereiche
Für getönte Autofolien sind in der Praxis drei Punkte entscheidend: Wo die Folie sitzt (Scheibe/Zone), wie viel Licht noch durchkommt (VLT/LVT) und ob für die Folie eine ABG (Allgemeine Bauartgenehmigung) vorliegt.
- ABG: Dokument/Unterlagen zur bauartgenehmigten Folie (je nach Produkt/Anbieter üblich).
- VLT/LVT: Visible Light Transmission (Lichtdurchlässigkeit) – wie viel sichtbares Licht durch Glas+Folie gelangt.
- Scheiben-Zonen: Windschutzscheibe, vordere Seitenscheiben, hintere Seitenscheiben, Heckscheibe.
🛡️ Zulassung & ABG: worauf es im Alltag ankommt
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen vorderem Sichtfeld (Windschutzscheibe / vordere Seitenscheiben) und hinterem Fahrzeugbereich (hintere Seitenscheiben / Heckscheibe). In vielen Fällen sind Folien im hinteren Bereich deutlich einfacher umsetzbar als im vorderen Sichtfeld.
Praxis-Hinweis: Regeln können je nach Land, Fahrzeugtyp und vorhandener Serienverglasung abweichen. Für eine belastbare Einordnung sind ABG-Unterlagen und eine Lichtwert-Betrachtung sinnvoll.
| Scheibenbereich | Typische Zulässigkeit (Deutschland, Praxisorientierung) | ABG / Nachweis | Lichtwerte (VLT/LVT) – worauf achten? |
|---|---|---|---|
| Windschutzscheibe | Nur in klar definierten Bereichen bzw. mit strengen Vorgaben (vorderes Sichtfeld kritisch) | Wenn Folie eingesetzt wird: Nachweise/Unterlagen genau prüfen | Gesamt-VLT (Glas+Folie) muss im zulässigen Bereich bleiben |
| Vordere Seitenscheiben | Tönung meist stark eingeschränkt – vorderes Sichtfeld bleibt entscheidend | Nachweise/ABG & zulässige Ausführung prüfen | Gesamt-VLT ist der Knackpunkt (Serientönung + Folie addieren sich nicht, sie multiplizieren sich) |
| Hintere Seitenscheiben | In der Praxis häufig möglich (je nach Fahrzeug/Spiegelanforderung) | ABG üblich – Unterlagen aufbewahren | VLT kann deutlich reduziert werden (je nach gewünschter Tönung) |
| Heckscheibe | In der Praxis häufig möglich (Spiegel/Einsehbarkeit beachten) | ABG üblich – Unterlagen aufbewahren | VLT je nach Folie – wichtig: realer Restlichtkomfort nachts |
Merksatz: Je weiter vorne (Windschutz / vordere Seitenscheiben), desto kritischer sind Sichtfeld und Lichtdurchlässigkeit. Je weiter hinten, desto häufiger ist eine Tönung technisch und praktisch einfacher umsetzbar – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen passen.
📏 Lichtdurchlässigkeit richtig bewerten: Glas + Folie zusammen
Die Lichtdurchlässigkeit (VLT/LVT) bezieht sich immer auf das Gesamtsystem. Entscheidend ist also nicht nur die Folie, sondern auch die vorhandene Scheibe.
Warum Serientönung so wichtig ist
Viele Fahrzeuge haben ab Werk getönte Scheiben (vor allem hinten). Wenn zusätzlich Folie montiert wird, sinkt die Gesamt-Lichtdurchlässigkeit weiter.
Praxisformel (vereinfachte Orientierung)
Als grobe Näherung gilt: VLT(gesamt) ≈ VLT(Glas) × VLT(Folie). Beispiel: 85% Glas und 50% Folie ergeben ca. 42,5% Gesamt.
Für Planung und Kontrolle empfiehlt sich ein Lichtmessgerät (Transmission Meter), insbesondere wenn vordere Scheiben betroffen sind oder Serienverglasung unbekannt ist.
🧭 Planung: So vermeiden Sie Fehlkäufe & Ärger
- 1) Scheibenbereich festlegen: vorne/hinten macht einen großen Unterschied.
- 2) Serienverglasung prüfen: ist das Glas bereits getönt?
- 3) Lichtwert-Ziel definieren: Optik vs. Nachtsicht/Komfort abwägen.
- 4) Unterlagen/Nachweise sichern: ABG/Produktunterlagen griffbereit halten.
- 5) Montage realistisch planen: Rundungen, Heizdrähte, Kanten, Trocknungszeit beachten.
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Fachautor & Projektberater: Lars Magenau
Lars Magenau ist seit über 15 Jahren verantwortlich für Sonnenschutz-, Sicherheits- und Autofolien. Er unterstützt Architekten, Unternehmen, Behörden und Privatkunden dabei, Glasflächen technisch zu bewerten und Folienlösungen professionell umzusetzen.
Schwerpunkte: Montageverfahren, Sonnenschutzfolien, thermische Risikoanalyse, Großprojekte
